Angst lässt sich nicht einfach „wegtrainieren“. Doch mit Geduld, Achtsamkeit und kleinen Veränderungen kannst du die Basis für Sicherheit und Vertrauen schaffen – für dich und dein Tier.
Also erst mal ganz kurz, was im Moment wissenschaftlich dazu gesagt wird. Wenn dich das Wissenschaftliche mehr interessiert kannst du das in Büchern ausführlich lesen oder KI fragen. Hier geht es weiter, in praktische Umsetzung, Erfahrung, innere Prozesse. Das ist das, was du brauchst, mit dem du ganz praktisch arbeiten kannst. Also kurz:
Angst und innere Anspannung, ich nenne es gern „Hab-acht“-Modus, sind eigentlich sehr sinnvolle und hilfreiche Mechanismen um zu Überleben und in sich verändernden Umgebungen zu bestehen. Dadurch sind wir uns schneller einer Gefahr bewusst und können viel flexibler und schneller reagieren. Wir werden nicht nicht überrumpelt, gewinnen wertvolle Sekunden. Die Ausschüttung der Stresshormone geschieht deshalb sehr schnell, effektiv und automatisch bei Veränderungen, wenn etwas Unbekanntes über Auge, Ohren, Nase oder Hautempfindung unser Gehirn informiert.
Sobald die Gefahr vorüber ist oder erkannt wurde, dass es doch keine ist beruhigt sich alles wieder und wir können ausruhen, regenerieren und unser Leben, unsere Beziehungen und unsere Welt mitgestalten.
Wir brauchen dringend Nervenberuhigung für alle. Das würde viel helfen.
Es ist wichtig, dass Lebewesen – Mensch wie Tier – nicht ständig in Alarm versetzt werden. Denn das formt dein Weltbild:
Je öfter dieser innere Alarm ausgelöst wird desto gefährlicher empfindest du die Welt. Und gerätst immer leichter und schneller in Alarm-Zustand weil die Welt dir so gefährlich erscheint. Die Angst- und Sorgenspirale beginnt.

Für mich ist es im Zusammenleben mit schnell gestressten, ängstlichen Tieren ganz elementar wichtig, dass ich diese Alarmschwelle nicht einfach übergehe.
Stell dir vor: du bist Bergsteigen. Du hast Angst an einer Klippe und der Bergführer klopft dir auf die Schulter und sagt „ist doch alles OK, ist doch gar nicht schlimm“ und packt dich am Arm und zieht dich einfach mit.
Also ich würde panisch reagieren, fühlte mich noch mehr ausgeliefert, weil da jemand ist, der überhaupt nicht kapiert wie schlimm und gefährlich das hier gerade ist für mich. Mein Vertrauen wäre dahin und ich würde in einem furchtbaren Dilemma sein. Abstand zu so einem übergriffigen Menschen wollen und gleichzeitig auf dem Berg auf gerade diesen angewiesen zu sein.
Kannst du das mitfühlen?
Das ist wichtig im Umgang mit meinem Tier. Wie schnell komme ich ihm zu nahe oder wie entspannt führe ich einen Hund oder ein Pferd in Sicherheit ohne dass es in Druck und Zwang kippt? Mach dir das immer wieder bewusst: ich säe Samen für Vertrauen und das Tier geht mit mir im Vertrauen, dass ich es nicht in Gefahr bringe oder zwinge. So wächst das Vertrauen und aus zunächst scheinbar langsamen Fortschritten wird dann sehr schnell nachhaltiger Erfolg. Auf liebevolle Weise Vertrauensamen pflegen und gießen ist auf Dauer und für alle Lebewesen viel stärker, auch für mich als Mensch. Ich muss nicht zwingen sondern darf in ein Miteinander kommen.
Wie kannst du bei deinem Tier Vertrauen „säen und gießen“, wachsen lassen?
Vertrauensvolles Führen heißt: wir gehen gemeinsam auch in schwierigere Umgebungen, aber ich achte auf die Verfassung des mir anvertrauten, mir vertrauenden Tieres. „Frontal, Augen zu und durch“…sind alte Konzepte genauso wie „Leine los und mach was du willst“: es führt uns nicht ins Miteinander und Vertrauen.
Unser Joker ist das Miteinander und die Stärke, etwas zusammen zu erleben und gemeinsam zu meistern. Das schweißt zusammen und daraus wächst wahrhaftes, bedingungsloses Vertrauen.
Vertrauen in uns selbst und zueinander.

Klappt das im Alltag immer? Das ist doch manchmal einfach nicht möglich und was dann? Wenn z.B. eine Lawine droht muss der Bergführer mich doch da eventuell schnell wegziehen.
Meine Tiere wissen, dass ich nie mutwillig über ihre Grenzen gehe – und deshalb passiert auch kein Rückfall wenn ich in es in einer echten Notsituation mit Einfluss von Außen mal nicht steuern kann und sie bzw. wir gemeinsam dann durch die Angst gehen müssen.
Aus unserem Alltag: mein Hunde und ich sind unterwegs, es kommt ein Trecker von vorne und einer von hinten, wir können nicht ausweichen und müssen relativ nah an diesem lauten „Monster“ vorbei. Das ist dann in diesem Moment schwer aber wir machen das zusammen. Das Leben findet nicht unter Laborbedingungen statt. Aber es zerstört nicht ihr Vertrauen in mich. Sie wissen aus zahllosen anderen Situationen ihr ganzes Leben lang seit sie bei mir sind, dass ich immer das Bestmögliche für uns versuche.
Gemeinschaft ist unser Joker!

Öffne dich für noch mehr „Miteinander“. Wir reden in unserer Kultur von Engeln und anderen mystischen Wesen. Vielleicht kannst du für dich diese unsichtbare Welt mitdenken. Es gibt noch viel mehr Helfer. Vielleicht wird es jetzt immer mehr möglich, auch mit den Krafttieren und anderen Schutzhelfern Erfahrungen zu sammeln.
Es ist dein Erleben und Erfahren, ganz persönlich. Da sind wir alle sehr unterschiedlich und das möchte ich hier ausdrücklich sagen, dass das für mich völlig fein und gut ist, wenn jemand sagt: da kann ich noch nicht mit.
Aber es ist auch wichtig, das unseren Tieren voller Respekt zuzugestehen, wenn die auch an der ein oder anderen Stelle sagen „ da kann ich noch nicht mit, da habe ich Angst“
Vertrauen ist die Basis von Allem.
Und noch ein wichtiger Gedanke zum Thema Vertrauen:
Vertrauen beginnt mit vertrauen in mich selbst! Sich selbst etwas zutrauen ist das Ziel. Und beim Vertrauen in andere meine ich nicht das blinde Vertrauen! Kein Lebewesen soll über Vertrauen in Abhängigkeit geraten. Deshalb ist mir der Satz von Montessori so wichtig „Hilf mir es selbst zu tun“. Damit kannst du immer prüfen, ob es am Ende im Ergebnis für dich oder dein Tier um ein stärkendes oder blindes Vertrauen geht. Wenn Vertrauen in Abhängigkeit statt Selbstständigkeit führt ist etwas faul.
Dieses stärkende Vertrauen, das Sicherheit gibt und Selbstständigkeit wachsen lässt schaue ich mir voller Bewunderung von vielen Tiermüttern und Ihren Kindern ab.

Fühle einfach wie wunderschön und befreiend es ist, einfach ganz bei sich zu sein und gleichzeitig sich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen. Nicht „entweder-oder“ sondern „sowohl – als auch“
Lass dich inspirieren von den Tieren und ihr Vertrauen die Welt. Wenn du es probierst kannst du entdecken, dass Vertrauen ein Muskel ist, der trainiert immer stärker wird.

Ich wünsche mir sehr, dass wir uns im Mensch-Sein und Menschlich-Sein wieder selbst mehr vertrauen und zutrauen.



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